Bericht vom Zeitzeugengespräch 09.11.2021

Kein Vergessen? Kein Vergeben?

Das Buch von Hasan Hasanović, “Srebrenica - Kein Vergessen. Kein Vergeben.”, informiert die Leser auf knapp dreihundert Seiten über das wohl schrecklichste Ereignis auf europäischem Boden seit dem 2. Weltkrieg.

Der Autor berichtet autobiographisch von den Erlebnissen des Massakers von Srebrenica, auch bekannt als der Völkermord von Srebrenica, aus dem Jahr 1995. Vom 11. bis 22. Juli wurden über 8000 Bosniaken, südslawische Muslime in Bosnien, von serbischen Streitkräften ermordet. Das Massaker, welches von den UN-Gerichten als Genozid anerkannt wurde, ereignete sich an vielen Orten rund um die Stadt Srebrenica. Die muslimischen Familien wurden voneinander getrennt, wobei vor allem die Männer und Jungen unter den Mordopfern waren. Die Leichname wurden zerstückelt, um die Ereignisse zu verschleiern, und in Massengräbern verteilt. Bis heute weigert sich Serbien den Genozid anzuerkennen.

Die Verantwortlichen wurden erst spät zur Rechenschaft gezogen. So wurde der bosnische Serbenführer Radovan Karadžić erst 2016, also 21 Jahre später, zu 40 Jahren Haft verurteilt. Der als hauptverantwortlich geltende serbische General Mladić wurde ein Jahr später ebenfalls verurteilt.

Um den Schrecken dieser Tage zu gedenken und das Thema der Öffentlichkeit näher zu bringen, haben Pfr. Matthias Weichert (Schulreferent Ev. Kirchenkreis An der Agger) und Rafet Öztürk (MA, Dialogbeauftragter DITIB Köln) ein Projekt in Zusammenarbeit mit Mustafa Burnić (Vorsitzender der Bosnischen Gemeinde Köln) und Osmić Nedzad (Imam der Bosnischen Gemeinde Köln) ins Leben gerufen, dass einer Gruppe von Schülern des Dietrich Bonhoeffer Gymnasiums Wiehl die Möglichkeit gibt eine Woche nach Srebrenica zu reisen und die Ausmaße des Genozides zu begreifen.

Das Projekt findet im Rahmen des interreligiösen Austausches statt und soll den jüdisch-christlich-islamischen Dialog fördern, sowie das Verständnis für die Ausmaße des "Massakers” in die Öffentlichkeit tragen.

Um den Schülern und weiteren Interessenten das Thema vorab näher zu bringen, fand am 09. November 2021 eine Informationsveranstaltung in der Wiehltalhalle statt. Die Organisatoren dieser Veranstaltung Pfr. Hans-Georg Pflümer und Eda Șengöl, welche unter anderem die Fahrt begleiten werden, moderierten und leiteten das Ereignis. Im Rahmen eines Workshops und im interaktiven Diskurs mit den Organisatoren der Fahrt (oben genannt), lernten die Schüler sowohl über die Wichtigkeit der Zusammenarbeit aller drei Weltreligionen, um eine friedliche Zukunft zu gewährleisten, als auch über den Völkermord, mit Fokus auf das Buch “Srebrenica”.

Bei der Fragerunde schienen die Schüler vor allem an der jetzigen Situation interessiert. Die Sprecher machten schnell deutlich, dass von ihrer Seite ein Vergessen des Massakers in keinem Fall akzeptiert wird. Dagegen werde tatkräftig an einer Versöhnung gearbeitet, welche im Moment von dem Nichteingeständnis und dem Verbot, in Bosnien selber über das Massaker im öffentlichen Raum aufzuklären, verhindert wird.

Der Schwerpunkt der Veranstaltung und der Fahrt werden durch den Titel des Buches “Srebrenica - Kein Vergessen. Kein Vergeben.” zusammengefasst. Der Lektor des Buches, Sejfuddin Dizdarević, stellte nicht nur das Buch vor, sondern schilderte eindrucksvoll von der Situation 1995 in Srebrenica. Anschließend beschrieb er die heutige Situation der Bosniaken, welche immer noch mit der Angst vor einer Wiederholung des Völkermordes in Srebrenica, leben müssen.

Von Belana Scholmann

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