Hinweise zum Präsenzunterricht und schulrechtliche Veränderungen im Schuljahr 2019/20

Liebe Eltern,

die erste Woche der stufenweisen Rückkehr zum Präsenzunterricht der Stufe Q1 (11) und der Stufe EF (10) - parallel zu der schriftlichen Abiturprüfung der Q2 (12) - liegt nun hinter uns und ist relativ reibungslos abgelaufen. 

Die aufwändige organisatorische Vorbereitung in Zusammenarbeit mit dem Schulamt der Stadt Wiehl hat es uns möglich gemacht, bereits vor dem vom MSB vorgegebenen Termin vom 26.05.2020 eine zweite Stufe in das rollierende System des Präsenzunterrichts einzubeziehen. Mehr als zwei Stufen parallel werden wir allerdings bis zu den Sommerferien - ohne Abstriche an den hohen Hygiene- und Sicherheitsstandards zu machen - nicht in die Schule holen können. Zu diesen Abstrichen bin ich nicht bereit, denn die Frage, ob Ihr Kind bis Sommer noch ein oder vielleicht zwei Schultage mehr Präsenzunterricht hat, ist viel weniger relevant als die Frage, ob das bestmögliche Schutzkonzept bewahrt wird, oder ob man ein höheres Risiko in Kauf nehmen möchte. 

 Dass dieser Präsenzunterricht ohnehin nur eine Ergänzung des Distanzlernens sein kann, das habe ich in einer früheren Mail bereits deutlich kommuniziert. Was wir derzeit gemeinsam tun, das nennt sich Krisenmanagement, es hat mit regulärem Unterricht nur bedingt etwas zu tun. Ihr großer Einsatz als Eltern leistet einen enormen Beitrag zur erfolgreichen Gestaltung des Krisenmanagements. Dafür sind wir Kolleginnen und Kollegen Ihnen sehr dankbar. Da viele von uns das Homeschooling auch aus Sicht der "betroffenen" Eltern erleben, wissen wir, wie belastend sich dies auf die familiäre Situation auswirken kann und wie sehr wir in Ihre familiären Abläufe eingreifen.

Umgekehrt möchte ich an dieser Stelle bei Ihnen, liebe Eltern, um Verständnis für die Arbeitsbelastung meiner Kolleginnen und Kollegen werben. Der fehlende direkte Kontakt zu unseren Schülerinnen und Schülern verringert den Arbeitsaufwand nicht - im Gegenteil - er ist bei den meisten Kolleginnen und Kollegen deutlich erhöht. Vieles, was sich im Unterrichtsgespräch rasch und mühelos klären lässt, muss jetzt ausführlich verschriftlicht, in Teams- oder Email-Konversationen umständlich erläutert und an die Vermittlungswege des Distanzlernens angepasst werden. 

Seit Dienstag füllen sich die Schreibtische zudem noch mit Abiturklausuren und die Planungen für die mündlichen Abiturprüfungen laufen an. 

Jammern bringt uns alle aber nicht weiter. Deshalb lassen Sie uns die im laufenden Schuljahr noch anstehenden Herausforderungen annehmen und gemeinsam bewältigen.

 

Die wichtigste Aufgabe ist die des Infektionsschutzes. In den Wochen seit der Wiederaufnahme des Präsenzunterrichts hat sich bereits gezeigt, dass das Verständnis für die strengen Hygienevorgaben bei den allermeisten Schülerinnen und Schülern vorhanden ist. Wir konnten aber auch sehr klar erkennen, dass diese Einsicht von Stufe zu Stufe abnimmt und somit Sie als Eltern und wir als Kolleginnen und Kollegen den Kindern und Jugendlichen die Notwendigkeit dieser Maßnahmen immer wieder bewusst machen müssen.

Durch die Einhaltung der Vorgaben Verantwortung für sich selbst und für die Mitmenschen zu übernehmen, das heißt, im Sinne unseres Namensgebers, Dietrich Bonhoeffer, zu handeln. 

  

Im Folgenden möchte ich Ihnen noch ein paar Auszüge aus den "Corona-Mails" des MSB zukommen lassen und diese ggf. aus schulischer Sicht präzisieren (hier konkret aus der 20. Mail des MSB und dem Anhang 3 zu dieser Mail).

Nachzulesen ist alles auf der Homepage des MSB (www.schulministerium.nrw.de), die häufig bereits Informationen enthält, bevor diese an die Schulen kommuniziert wurden. 

 

Auch unter Berücksichtigung der oben genannten Verbändegespräche gelten für eine Ausweitung des Unterrichts an den allgemeinbildenden weiterführenden Schulen bis zu den Sommerferien folgende Vorgaben:

  • Vorrang hat die Durchführung von Abiturprüfungen (...) 

 

  • Für Schülerinnen und Schüler im ersten Jahr der Qualifikationsphase, die im kommenden Schuljahr das Abitur anstreben, soll sichergestellt werden, dass – soweit erforderlich – eine Klausur in diesem Schulhalbjahr geschrieben wird, um so zu einer angemessenen Leistungsbeurteilung kommen zu können.

 

  • Darüber hinaus sollen alle Schülerinnen und Schüler aller Jahrgangsstufen und aller Schulformen bis zu den Sommerferien Präsenzunterricht erhalten, auch wenn dies nur an einzelnen Tagen möglich sein sollte.

 

  • Alle Jahrgangsstufen sind dabei schulintern in vergleichbarem Umfang mit einer Mischung aus Präsenz- und Distanzlernen zu unterrichten, beispielsweise durch ein tageweises Rollieren.

 

  • Alle Schulen sollen, auch im Interesse der Eltern, einen transparenten und verbindlichen Plan erarbeiten, aus dem ersichtlich wird, an welchen Tagen die verschiedenen Lerngruppen bis zu den Sommerferien Präsenzunterricht haben. Hierbei ist zu beachten, dass die festgelegten beweglichen Ferientage weiterhin Bestand haben. Gleichwohl finden am Freitag, 22. Mai 2020 die Abiturprüfungen im Fach Mathematik statt. 

 

  • Auf eine Vorgabe, welche Fächer vorrangig in Präsenzform zu unterrichtet sind, wird angesichts der unterschiedlichen Situation in den Schulen und mit Blick auf die Gesamtheit der für den Präsenzunterricht zur Verfügung stehenden Lehrkräfte verzichtet. (...)

 

  • Die Notbetreuung für Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 5 und 6 ist aufrechtzuerhalten.

 

  • Aus Gründen des Infektionsschutzes sollen in der Sekundarstufe I feste und permanente Lerngruppen gebildet werden (z.B. unter derzeitigem Verzicht auf äußere Fachleistungsdifferenzierung und Wahlpflichtkurse mit Schülerinnen und Schüler aus unterschiedlichen Klassen).

 

Zur Einhaltung der Hygienevorschriften können nicht mehrere Lerngruppen nacheinander in dem selben Raum unterrichtet werden. Daher findet kein Schichtbetrieb statt.

 

  • Eine Ausdehnung der Unterrichtszeit auf den unterrichtsfreien Samstag erfolgt nicht.

 

  • Angesichts der für dieses Schuljahr geänderten schulrechtlichen Grundlagen soll auf Klassenarbeiten weitgehend verzichtet und stattdessen anderen Wegen der Leistungsbeurteilung der Vorrang gegeben werden. (...)

 

  • Der Präsenzunterricht soll in den kommenden Wochen auch dazu dienen, den wichtigen Beziehungskontakt zwischen Schülerinnen und Schüler und Lehrkräften zu sichern und damit auf die jeweiligen Bedürfnisse der Schülergruppen in den Zeiten von Corona einzugehen. Zudem soll er dazu beizutragen, die Möglichkeiten eines Lernens auf Distanz zu verbessern und entsprechende Grundlagen dafür zu optimieren.

 

Mit Blick auf die schulrechtlichen Veränderungen für das laufende Schuljahr verweist das MSB auf folgenden Link:

https://www.schulministerium.nrw.de/docs/Recht/Schulgesundheitsrecht/Infektionsschutz/300-Coronavirus/index.html 

 

Im Anhang 3 finden sich noch einige Präzisierungen: (Kommentare DBG in ​rot​)

 

Am Ende der Erprobungsstufe der Sekundarstufe I können alle Schülerinnen und Schüler in die Klasse 7 der bisher besuchten Schulform übergehen (§ 13 Absatz 4 SchulG).

Zwar können alle Schülerinnen am Ende der Erprobungsstufe in die Klasse 7 übergehen. Die Erprobungsstufenkonferenz berät aber über den Leistungsstand jeder Schülerin und jedes Schülers. Sie kann den Eltern einen Schulwechsel empfehlen. Diese entscheiden, ob sie dem Rat der Schule folgen.

Die Schülerinnen und Schüler gehen ohne Versetzung in die nächsthöhere Klasse über, es sei denn, die Versetzung ist mit einem Abschluss oder einer Berechtigung verbunden (§ 50 Absatz 6 SchulG).

​Alle Schülerinnen und Schüler der Stufen 5-8 gehen ohne Versetzungsentscheidung in die nächsthöhere Klassenstufe über ("Kein Sitzenbleiben").

Entsprechend wird keine weitere Klassenarbeit in der Sek I geschrieben.

In Einzelfällen wird die Schule Eltern nach der Zeugniskonferenz beraten und deren Kindern eine freiwillige Wiederholung der besuchten Jahrgangsstufe empfehlen. Die freiwillige Wiederholung wird nicht auf die Verweildauer angerechnet.

​In der Klassenstufe 9 MUSS die Versetzung in die Stufe EF (10) erreicht werden, weil damit eine Berechtigung erworben wird - nämlich die Berechtigung zum Eintritt in die gymnasiale Oberstufe. 

​Wird die Versetzung mit dem Jahreszeugnis nicht geschafft, so kann diese durch eine (oder sogar mehrere !) Nachprüfung(en) am Ende der Sommerferien noch nachgeholt werden. 

In der gymnasialen Oberstufe werden die Möglichkeiten einer Nachprüfung zum Erwerb von Abschlüssen der Sekundarstufe I erweitert.

​Schülerinnen und Schüler der Stufe EF (10), die die Versetzungsbedingungen nicht erfüllt haben, setzen ihre Laufbahn dennoch in der Q1 (11) fort; d.h. sie werden versetzt, haben aber NICHT den Schulabschluss Fachoberschulreife (FOR; früher "Mittlere Reife") erworben. 

Auch sie können durch eine - oder mehrere - Nachprüfung(en) zum Ende der Sommerferien den Schulabschluss noch nachträglich erwerben.

 

Die zentrale schriftliche Leistungsüberprüfung am Ende der Einführungsphase der gymnasialen Oberstufe entfällt (§ 18 Absatz 6 SchulG).​

 

ZKE Deutsch und Mathematik entfallen.

 

Zur größeren Flexibilität bei der Leistungsermittlung kann in der gymnasialen Oberstufe, im Weiterbildungskolleg in der Einführungsphase und dem ersten Jahr der Qualifikationsphase, (...) die in den Ausbildungs- und Prüfungsordnungen bestimmte Zahl der Klausuren auf jeweils eine (pro Fach) verringert werden. 

 

​In der EF (10) und der Q1 (11) werden in allen schriftlichen und schriftlich gewählten Fächern nur eine Klausur geschrieben.

Falls die vor der Schulschließung angesetzte Klausur noch nicht geschrieben wurde, wird diese in den kommenden Wochen nachgeholt. 

Das heißt, dass der Lernstoff für die Klausur sich ausschließlich auf die im Präsenzunterricht des ersten Quartals erteilten Inhalte bezieht. 

 

Die Schule entscheidet anhand der organisatorischen Möglichkeiten und Umstände im Einzelfall, ob Leistungsnachweise nachzuholen sind, die Schülerinnen und Schüler aus von ihnen nicht zu vertretenden Gründen nicht erbracht haben.

 

​Aus organisatorischen Gründen ist ein Nachschreiben praktisch ausgeschlossen. Es wird auf andere Möglichkeiten der Leistungserbringung verwiesen, die in Absprache mit dem Fachlehrer / der Fachlehrerin eine ausreichende Bewertungsgrundlage bieten. Gegebenenfalls setzt die Schule - in wenigen Einzelfällen - eine Feststellungsprüfung zur Ermittlung der Abschlussnote an.

Eine verpflichtende Abweichungsprüfung findet bei der Abiturprüfung nicht statt. 

 

​Bestehensprüfungen und freiwillige Prüfungen zur Notenverbesserung sind natürlich möglich.

 

 

Aus meiner Sicht sollten diese Informationen für 99% der zu klärenden rechtlichen Fragen ausreichen. Die verbleibenden 1% klären wir besser in Einzelgesprächen. 

 

Passen Sie gut auf sich auf und bleiben Sie gesund ! 

 

Frank Mistler, OStD

Schulleiter

Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium Wiehl

 

 

 

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