Vorstellung Projektkurs '...dass Auschwitz sich nicht wiederhole'

Der Projektkurs "... dass Auschwitz sich nicht wiederhole" richtet sich an die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 11. Die Namensgebung ist dabei angelehnt an ein Zitat von Theodor Adorno, in dem er die Verhinderung von Unrecht, wie es im Dritten Reich geschah, als die wichtigste Aufgabe von Schule überhaupt bezeichnet. Da schreckliche Merkmale der NS-Zeit die Ausgrenzung und Verfolgung von Randgruppen und Schwachen waren und die Spaltung der Gesellschaft in "Wir" und "Die", hat sich der Kurs zum Ziel gesetzt, Projekte durchzuführen, die, im Wissen um die Vergangenheit, heutzutage einen Beitrag dazu leisten, den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken. In einer ersten Phase wird deshalb die NS-Zeit beleuchtet, beispielsweise durch Vorträge oder Besuche von Gedenkstätten, wie dem El-DE-Haus in Köln, dem Haus der Wannsee-Konferenz und dem Konzentrationslager Sachsenhausen. Da es sich jedoch nicht um einen zusätzlichen Geschichts-Kurs handeln soll, wird im Rahmen der Fahrt nach Berlin auch jährlich der Bundestag besucht, um dort mit den Abgeordneten unseres Kreises über aktuelle Themen zu sprechen.

Anschließend beginnt die Phase der Planung und Umsetzung von durch die Kursteilnehmer selbst ersonnenen Projekten in Kleingruppen und die SuS überlegen sich zunächst, welche Personengruppen heutzutage eventuell Unterstützung benötigen könnten und wie diese aussehen könnte. Hierbei sind sie in der Auswahl und Vorgehensweise vollkommen frei. Ziel ist es jedoch immer, einen positiven Beitrag für Gruppen zu leisten, die eher am Rand der Gesellschaft stehen oder besonderer Unterstützung bedürfen, um zu zeigen, dass es nur EINE Gesellschaft gibt und diese zusammenhalten muss. In den letzten fünf Jahren sind dabei verschiedenste Projekte  entstanden, beispielsweise:

- eine Flaschensammelaktion innerhalb des Schulgebäudes nach Schulschluss, deren Erlös einer Suppenküche für Obdachlose zugute kam und in deren Rahmen die SuS an der Verteilung der Lebensmittel teilnahmen

- ein Tanzprojekt mit Schülerinnen und Schülern einer Förderschule inklusive öffentlichen Auftritts

- eine Ausstellung über Rechtsextremismus in unserer Heimatregion im Rathaus

- ein Film mit Interviews mit einem Rabbi, einem Imam und Geflüchteten

- Kooperation mit unserer Flüchtlingsklasse im Bereich eines Schwimmkurses und gemeinsame Gestaltung von Weihnachtsfeiern, Ostern und Karneval

- Organisation eines Rockkonzertes gegen Rechts, das auch lange nach dem Abitur von einigen der Beteiligten fortgeführt wird

- ein Malprojekt mit der Kinderstation des Krankenhauses

- die Organisation von Bastelabenden in Altersheimen

- eine Sammelaktion für die örtliche Tafel, bei der Unterstufenschüler Papiertüten bemalen und mit haltbaren Lebensmitteln füllen. Auch hier halfen die Schülerinnen und Schüler am Ende bei der Vergabe

- ein Projekt, bei dem Kronkorken gesammelt und beim Schrottplatz abgegeben werden. Vom erstatteten Materialwert werden dann Obdachlose unterstützt

Generell finden so jedes Jahr im Rahmen des Kurses mindestens sechs bis sieben kleine Projekte statt, bei denen die Verantwortung weitgehend bei den Kursteilnehmern liegt. Die den Kurs leitenden Lehrer stehen jedoch jederzeit mit Rat zur Seite, begleiten die Durchführung und geben gegebenenfalls neue Impulse.

Teilweise zeigte sich recht früh, dass erdachte Projekte so nicht umzusetzen waren, was jedoch  nicht negativ zu bewerten ist. So erfuhren die Schülerinnen und Schüler die Schwierigkeiten, die sich teilweise bei der Durchführung eigener Projekte ergeben können und suchten nach alternativen Lösungswegen. Auch untereinander unterstützen sich die unterschiedlichen Kurs-Gruppen bei ihren Projekten im Rahmen der weiterhin erfolgenden Treffen der Gesamtgruppe und besuchen sich gegenseitig.

Auch finden in dieser Phase weiterhin Sitzungen mit externen Referenten statt, die beispielsweise über rechtsextreme Versuche Jugendliche zu beeinflussen sprechen, über das Leben als Behinderter berichten oder über historische Ereignisse informieren. In diesem Rahmen nimmt der Projektkurs beispielsweise regelmäßig an einer Gedenkveranstaltung zum 9.November teil und gestaltet dabei das Programm aktiv mit.

Insgesamt bietet der Kurs den Schülerinnen und Schülern eine Vielzahl an Gelegenheiten, sich gesellschaftlich zu engagieren und führt gleichzeitig zu einer Steigerung des Miteinanders an unserer Schule. Eine Voraussetzung für einen Projektkurs ist die öffentliche Präsentation der Ergebnisse. Dies geschah in den letzten Jahren beispielsweise im Rahmen einer Ausstellung, eines selbstorganisierten "Flüchtlingsfestes" und auf der interkulturellen Woche in Gummersbach mithilfe eines Informationsstandes.

Die Resonanz der externen Partner war dabei bisher uneingeschränkt positiv, was sich auch darin äußert, dass in vielen Fällen um eine Wiederholung der durchgeführten Projekte gebeten wurde. Eine besondere Bestätigung ist jedoch, dass die Teilnehmerzahlen am Kurs von anfänglich unter 20 über die Jahre immer weiter gestiegen sind, so dass es dieses Jahr über 60 Anmeldungen gab, was schließlich zur Bildung eines zweiten Kurses geführt hat. Dies ist umso erfreulicher, als den Schülerinnen und Schülern bei der Anmeldung bewusst ist, dass dieser Kurs ein "Freizeit-Fresser" ist, bei dem sie durchaus auch mal am Wochenende oder in den Ferien arbeiten müssen. Abgesehen davon dokumentieren sie ihre Arbeitsschritte und Erlebnisse im Rahmen des Kurses in einem etwa zwölfseitigen Portfolio, was einen zusätzlichen Arbeitsaufwand bedeutet.

Teilweise erhielten wir auch die Rückmeldung von Abiturienten, dass die Teilnahme am Projektkurs sie bewogen habe, nach dem Schulabschluss einen Berufsweg im sozialen Bereich einzuschlagen und sie begleiten den Projektkurs teilweise bis heute.

In nunmehr über 6 Jahren ist der Projektkurs "... dass Auschwitz sich nicht wiederhole" ein fester Bestandteil unseres Schullebens geworden und bietet den Teilnehmerinnen und Teilnehmern auch weiterhin die Möglichkeit, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen und sich mit Menschen zu beschäftigen, die der Hilfe der Gesellschaft mehr bedürfen, als sie selbst. Insofern bietet der Kurs einen Gewinn für Menschen am Rande der Gesellschaft, den teilnehmenden Schülerinnen und Schüler jedoch die unschätzbare Erfahrung, durch das eigene Handeln Positives zu bewirken.