Bejarano meets Microphone Mafia: Lesung und Konzert 30.03.2019

Am 30.03.2019 unternahmen 15 Schülerinnen und Schüler des Projektkurses „..., dass Auschwitz sich nicht wiederhole“ einen abendlichen Ausflug nach Gummersbach zum dortigen Lindengymnasium. Der Grund war eine Veranstaltung, von der wir vorher alle nicht so genau wussten, was uns erwarten würde. Bekannt war uns lediglich, dass Esther Bejarano, eine 94-jährige Auschwitz-Überlebende, und Kutlu Yurtseven, ein türkischstämmiger Rapper, gemeinsam auf der Bühne stehen würden. Eines kann man jedoch hier schon vorwegnehmen: Dieser Abend hätte auch bei großen Erwartungen diese bei Weitem übertroffen!

 

Die Veranstaltung begann zunächst mit einer Lesung Esther Bejaranos. Im Alter von 18 Jahren wurde sie aufgrund ihrer jüdischen Herkunft in das Konzentrationslager Auschwitz und später auch in andere Konzentrations- und Arbeitslager eingewiesen. Um diese Zeit nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, hat Bejarano das damals Erlebte und ihre Erfahrungen in einem Buch festgehalten, aus dem sie an diesem Abend einige Seiten vorlas.

Ihr Vortrag begann mit der Schilderung der Fahrt nach Auschwitz und den unmenschlichen Zuständen in den Viehwagons, in die sie zusammen mit viel zu vielen anderen Menschen eingepfercht wurde. Die Wagons hatten keine Fenster, es war stickig und bereits während der Fahrt starben viele Menschen aufgrund der schlimmen Bedingungen. Genauso berichtete sie von der Hoffnung, die bei jedem Stopp aufflammte und gedämpft wurde, als klar war, dass sie immer noch nicht angekommen waren.

In Auschwitz musste Esther Bejarano zunächst in einem sogenannten Kommando Steine schleppen.

Sie berichtete über den fehlenden Sinn dieser Arbeit und die extremen körperlichen Anforderungen,

die in Verbindung mit viel zu wenig Lebensmitteln mutwillig zum Tod vieler Menschen führte.

Auch Bejarano war überzeugt davon, diesen unmenschlichen Bedingungen nicht lange standhalten zu können, und so empfand sie es schließlich als ihre Rettung, dass sie in das Lagerorchester von Auschwitz aufgenommen wurde. Hier musste sie zur Unterhaltung der Nazis spielen, bekam jedoch eine etwas bessere Verpflegung und war nicht mehr der körperlich auszehrenden Arbeit im Arbeitskommando ausgesetzt. Nach ihrer Verlegung in mehrere andere NS-Lager wurde Bejarano schließlich kurz vor Kriegsende von den Nazis auf einen der berüchtigten Todesmärsche geschickt. Hierbei gelang es ihr, gemeinsam mit mehreren Freudinnen, mit letzter Kraft zu fliehen und sich bis zu ihrer endgültigen Befreiung durch alliierte Soldaten zu verstecken.

Das Publikum war von diesem Vortrag tief betroffen und brauchte einige Zeit, das Gehörte zu verarbeiten.

Umso bemerkenswerter war es deshalb, mit welcher Fröhlichkeit und Leichtigkeit es Bejarano und Kutlu anschließend gelang, zum musikalischen Teil des Abends überzuleiten. Die Lieder waren sehr unterschiedlich, handelten jedoch zum großen Teil von Frieden, Toleranz und Gerechtigkeit.

Dabei versprühten beide eine unheimlich positive Atmosphäre und brachten das Publikum abwechselnd zum Lachen, Klatschen, Mitsingen und teilweise auch zum Weinen, beispielsweise als sie gemeinsam das Lied spielten, das Bejarano für ihre Aufnahme ins Lagerorchester spielen musste.

Es war wunderbar zu sehen, wie Esther Bejarano, trotz ihrer 94 Jahre, voller Leidenschaft mitsang und tanzte und dabei eine unfassbare Lebensfreude verbreitete. Dies packte das ganze Publikum und wohl jeder hatte einen wunderbaren und unvergesslichen Abend.

 

Die Besucher verließen den Raum gut gelaunt und mit viel Entschlossenheit. Der Entschlossenheit, den bösen Mächten mit Freude und Liebe gemeinsam entgegenzutreten und sie somit niemals wieder so stark werden zu lassen, wie sie es früher leider waren. Bösartige Menschen sollten uns nicht verunsichern oder uns die Lebensfreude stehlen, denn dann „gewinnen“ sie und erreichen, was sie wollen. Wir sollten gestärkt gegen sie vorgehen, als Gemeinschaft und mit Freude und aus Überzeugung für Frieden, Freude und Gleichheit in der Welt kämpfen. Ich denke diese Botschaft wurde am Samstagabend jedem deutlich.                                            - Rebekka Brockhöft, Stufe 11