Streitschlichter

Schon seit 1998 bieten wir am DBG ein Programm Streitschlichtung von Schülern für Schüler nach dem Bensberger Modell an. Ziel des Projekts ist es, dass Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit erhalten,  Konflikte und Streitigkeiten untereinander eigenverantwortlich zu lösen. Um ihnen dabei zu helfen, stehen ihnen Schlichterteams aus jeweils zwei Schülern/innen zur Verfügung, die in den beiden großen Pausen regelmäßig Dienst im Streitschlichtungsraum neben dem Haupteingang haben. Bei diesen handelt es sich nicht um Richter oder Ersatzpolizisten bzw. -lehrer, sondern sie sind Vermittler (oder „Mediatoren“), die den Streithennen und -hähnen helfen sollen, selbst eine Lösung zu finden und ein dauerhaftes Überwinden des Streites zu ermöglichen. 

Ausgangspunkt für dieses Modell war die Einsicht, dass viele Streitereien auch an unserer Schule häufig nur unzureichend gelöst werden, weil kein wirklicher Interessenausgleich möglich ist, die Zeit nicht ausreicht und/oder Lösungen zu sehr von oben (z.B. von Lehrern) verordnet werden. Oft gehen aus solchen „Lösungen“ Gewinner und Verlierer hervor, so dass der Keim für den nächsten Konflikt (z.B. Rache) schon gegeben ist. Deshalb sollen die Streitbeteiligten an einen runden Tisch gebracht werden und gemeinsam eine Lösung des Streits erarbeiten, die beide Parteien den Tisch als Gewinner verlassen lässt. 

Dies mag auf den ersten Blick recht träumerisch erscheinen, doch Erfahrungen zeigen, dass dies tatsächlich funktioniert. Seit nunmehr neun Jahren hat sich die Streitschlichtung an unserer Schule überwiegend bewährt. Jeweils im zweiten Halbjahr der Stufe 9 wird das Training durchgeführt, damit diese Schüler/innen dann in der Stufe 10 qualifiziert ihren Dienst verrichten können. Zu Beginn eines neuen Schuljahres werden die Schüler/innen der Stufe 5 in Einführungsstunden mit dem Konzept der Schülerstreitschlichtung vertraut gemacht. Ebenso stellt sich jeweils das neue Streitschlichtungsteam in den ersten Schulwochen in den Klassen 5 bis 7 vor. 

Doch wie funktioniert das Modell eigentlich? Wann immer Schüler/innen Streit miteinander haben, gibt es für sie die Möglichkeit, die Streitschlichter/innen in Anspruch zu nehmen, was natürlich auch auf Empfehlung von Lehrern oder Eltern geschehen kann. Vom Mobbing bis zu handgreiflichen Auseinandersetzungen und Prügeleien können grundsätzlich alle möglichen Konflikte Anlass sein den Streitschlichtungsraum aufzusuchen. Wichtig ist jedoch, dass dies freiwillig geschieht - eine erzwungene Schlichtung macht nämlich keinen Sinn - und dass die Beteiligten eine Lösung des Streites wirklich anstreben. 

Im Streitschlichtungsraum wird dann ein Termin für die Schlichtung abgesprochen (z.B. Beginn der nächsten Stunde). Danach muss von den dann unterrichtenden Lehrern/innen, die von der Abwesenheit der Schüler/innen betroffen sind, das Einverständnis für die Schlichtung eingeholt werden. Verständlich ist zum Beispiel, dass eine Schlichtung nicht stattfinden kann, wenn eine Klassenarbeit angesetzt ist. In dem Schlichtungsgesprächen (ca. 20-25 Minuten) haben dann die Beteiligten die Möglichkeit sich über den vorgefallenen Streit und seine Entwicklung und Ursache auszutauschen und gemeinsam Lösungen zu erarbeiten. Ganz wichtig ist auch, dass die Schlichter/innen vollkommen neutral sind - also nicht Partei ergreifen - und das Gespräch streng vertraulich ist, weil die Schlichter/innen zur Verschwiegenheit verpflichtet sind. Das Ergebnis wird dann in einem Schlichtungsvertrag festgehalten, der von beiden Parteien unterschrieben wird. Abschließend wird noch eine Folgetermin vereinbart, an dem dann die Einhaltung des Schlichtungsvertrags überprüft wird. So einfach ist es also! 

Wir gehen nicht davon aus, dass unsere Schule stärker von Gewalt bestimmt ist als andere Schulen. Wir gehen ganz im Gegenteil davon aus, dass die Verankerung der Schülerstreitschlichtung zu einer Verbesserung des Schulklimas geführt hat, indem Spannungen und Feindseligkeiten vermindert werden bzw. nicht so stark eskalieren. Schüler/innen können einen stärkeren Sinn für Zusammenarbeit entwickeln und viel über sich selbst und andere lernen, so dass sie zukünftig auch konstruktiver mit Konflikten umgehen können. Ganz wichtig ist dabei, dass Schüler/innen lernen Konflikte gewaltfrei und selbstverantwortlich zu regeln, was nicht nur zu einer Verbesserung der Beziehungen von Schülern untereinander, sondern auch zu einer Verbesserung der Schüler-Lehrer-Beziehung führen soll, weil sich letztere nicht so sehr in Bereiche einmischen müssen, die auch ohne sie  und vielleicht auch besser - geregelt werden können. 

Das Programm wird an unserer Schule von Frau Bühne, Frau Nase-Weichbrodt, Frau Soukane und Herrn Thau betreut. Für Nachfragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung und kommen bei Interesse auch zu einem Elternabend.